Sie fragen sich, ob Krawatten im Job noch zeitgemäß sind? Es kommt sehr darauf an, wo Sie arbeiten. In New York, genauer, in Manhattan gehört die Krawatte fast immer dazu. Es gibt eine Riege von Angestellten und gar nicht so schlecht bezahlten Mitarbeitern, die würden morgens ins Leere greifen, wenn man Ihnen die Krawatte wegnähme. So verfestigt sind die morgendlichen Rituale. Wer es immer tut, der denkt nicht daran, wie es wäre, es einmal nicht zu tun. Dazu gehören die meisten Bänker, viele Consultants, also Berater, aber auch in der Politik und vor den meisten Kameras in den Nachrichtenstudios unseres Landes ist die Krawatte üblich, um nicht zu sagen Pflicht. Warum ist das so?

Die Krawatte erfüllt Sehgewohnheiten
Wir Menschen sind geprägt von Gewohnheiten und dazu gehören auch die Sehgewohnheiten. Das ist beispielsweise auch der Grund, weshalb Zeitungen einen Relaunch, also eine Designänderung, in fast allen Fällen behutsam und kontinuierlich umsetzen. Fast nie werden die Blätter auf einmal renoviert. Der Grund dafür liegt nicht darin, dass die Macher nicht wissen, wo die Reise hingehen soll. Sondern darin, dass der Leser nicht überrumpelt werden darf. Er muss behutsam mitgenommen werden.

Die Krawatte in der Politik
Hinter uns liegen die nicht enden wollenden Verhandlungen mit Griechenland. Eine der inzwischen umbesetzten Hauptrollen hatte Yanis Varoufakis inne, als ehemaliger Finanzminister im Kabinett Alexis Tsipras. Zu den Sitzungen in Griechenland eilte er stets auf dem Motorrad. Minister, die Motorrad fahren, gibt es einige. Aber Minister, die zu offiziellen Verhandlungen und zu den Presseterminen ohne Krawatte erscheinen, das ist schon seltener. Denn zu so einem Termin ohne Krawatte aufzutreten, lässt zwei Interpretationen zu. Entweder drückt der Verzicht auf die Krawatte eine persönliche Verbundenheit mit den anwesenden Kollegen aus, weil der Rahmen deutlich legerer ist, als üblich. Das scheidet aus, denn in diesem Fall hätten auch die Kollegen gleichgezogen, wären also ohne den Schlips aufgetreten. Die zweite Möglichkeit: Der Verzicht auf die Krawatte ist ein Statement. Es ist Protest gegen die Gepflogenheiten. Sich auf gemeinsame Spielregeln einlassen. Nach allem, was wir heute wissen, trifft das schon eher zu.

Die Krawatte im Job

Es gibt Arbeitgeber, die haben keine Berufsbekleidung im Sinne einer Uniform, aber ein sehr genau definiertes Erscheinungsbild ihrer Angestellten. Hotels der gehobenen Hotellerie wissen, was ihr Gast erwartet, deshalb sind Krawatten in vielen Häusern Pflicht.
Wir gehen der Frage nach: Was macht die Krawatte mit einem Mann? Oder besser gefragt: Was macht die Krawatten mit seinem Gegenüber? Darum geht es in diesem Beitrag.
  • August 14, 2015
  • Alex Pennings